Als "Heizungsflüsterer" besucht Frank Ost Kirchengemeinden und schaut bei den Heizungsanlagen nach dem Rechten – zum Beispiel in Kindergarten und Pfarrhaus von St. Katharina in Sandweier.
Frank Ost steht im Keller vor einem Kästchen mit Display. Es hängt neben der Heizungsanlage an der Wand und immer, wenn Ost auf die Knöpfe des Kästchens drückt, zeigt es neue Daten: 23 Grad Raumtemperatur am Tag als Zielvorgabe, 18 Grad für die Nacht, Betriebszeiten täglich von 6 bis 22 Uhr. "Das ist Humbug", murmelt Ost. Das Kästchen ist die Steuerungseinheit für die neue Bodenheizung, welche die Räume im Erdgeschoss warmhält. Dort liegen die Gruppenräume der Kita St. Walburga für unter Dreijährige. Klar, in einer Kita für Kleinkinder soll es warm sein – aber auch spät am Abend und am Wochenende?
Frank Ost ist Umweltschutztechniker. Und er gehört zum Team der "Heizungsflüsterer", die in der Erzdiözese Freiburg ausgewählte Kirchengemeinden besuchen und die Heizungsanlagen checken, ihren Zustand überprüfen und die Einstellungen optimieren. Ziel: Energie sparen und die Umwelt schonen. Interessierte Gemeinden konnten sich im Winter 2019/20 bewerben, die Kosten übernahm die Diözese. Heute ist Ost zu Besuch in der Gemeinde St. Katharina in Baden-Baden-Sandweier und kümmert sich um die Fußbodenheizung. Es ist eine moderne Anlage, sie wurde erst kürzlich bei der Sanierung des Gebäudes eingebaut. Die Vorlauftemperatur, also die Temperatur, mit der das Wasser in den Kreislauf gepumpt wird, liegt bei nur 34 Grad, die Pumpe läuft sparsam mit 16 Watt.
Doch das mit den Nutzungszeiten der Kita wüsste Ost gerne genauer. Also steigt er aus dem Keller ins Erdgeschoss, wo gerade das Mittagessen für die Kita-Kinder vorbereitet wird. Die Leiterin der Einrichtung bestätigt seine Vermutung: Nein, am Wochenende werden die Gruppenräume nicht genutzt. Und auch abends finden hier keine Veranstaltungen statt.
Zurück im Keller tippt Ost neue Zeiten ein: Jetzt ist die Heizung nur noch Montag bis Freitag von 5 bis 16 Uhr im Normalbetrieb. Eine Fußbodenheizung brauche Zeit, die Räume aufzuwärmen, erklärt Ost. Mit dieser Einstellung sei die gewünschte Temperatur um 7 Uhr erreicht und werde bis etwa 17 Uhr gehalten. Nur für montags gibt er dann doch noch 2 Uhr als Startzeit ein – für einen warmen Morgen in der Kita auch nach kalten Wochenenden.
Nachtabsenkungen programmiere er häufig neu, berichtet Ost, auch technisch kompliziertere Werte wie die Heizkurve. Sind die Anlagen alt, empfehle er manchmal den Austausch – zumindest von einzelnen Komponenten wie etwa einer Pumpe. Und er weise Ehrenamtliche ein, die sich in den Gemeinden häufig um die Anlagen kümmern.
Wir wollen ein ökologisches Vorbild sein
Für eine professionelle Einstellung brauche es oft Hilfe, bestätigt Bernd Müller. Er ist Gebäudefachmann in der Verrechnungsstelle für Kirchengemeinden in Bühl und begleitet Frank Ost heute bei seinem Ortstermin. "Da läuft zum Beispiel eine Heizung einfach durch, obwohl das Pfarrbüro nur zweimal die Woche besetzt ist", sagt Müller. Das sei nicht nur ökonomisch unsinnig, es passe auch nicht zum Anspruch der Kirche: "Wir wollen ein ökologisches Vorbild sein".
Jetzt steht Frank Ost im Keller des alten Pfarrhauses von Sandweier. Das Gebäude stammt von 1937, im Erdgeschoss liegen Pfarrbüro und Büro des Pastoralreferenten, Ober- und Dachgeschoss sind an den Pastoralreferenten mit Familie vermietet. Norbert Tschan zeigt ihm die Ölheizung, er ist stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats und kümmert sich ehrenamtlich um die Anlage. Der Kessel ist von 1987, der Brenner immerhin von 2006.
Ost hat seinen Laptop aufgeklappt, geht systematisch eine Checkliste durch, spricht von Raumtemperatur, Absenktemperaturen. Er hat schon eine kaputte Zeitschaltuhr und die defekte Regelung gefunden. Und der Gesamtdruck der Anlage sei auch etwas zu niedrig, da sollte Wasser nachgefüllt werden. Die Parameter der Heizung kann er nicht überprüfen. "Hier sollte schleunigst eine neue Regelung eingebaut werden," meint Ost. "Schicken Sie mir den Mängelbericht", sagt Tschan, "ich gebe ihn dann weiter an den Heizungsbauer – der hat einen Wartungsvertrag."
Tipps vom Profi
Natürlich geht es auch um die Frage, die viele Eigentümer älterer Gebäude umtreibt: Neue Heizung – ja oder nein? Ost wägt ab, die Anlage halte bestimmt noch zehn Jahre, in der Herstellung einer neuen stecke auch Energie. "Andrerseits - von der Effizienz her ist sie miserabel." In der Straße liege Gas, sagt Tschan, man müsse nur einen Anschluss ins Haus legen. Längerfristig könnte das eine Alternative zur Ölheizung sein, meinen beide. "Eine Heizvariante auf Pelletbasis ist ökologisch aber sicher besser", ergänzt Ost. Dann brauche es weitere Prüfungen, sagt Gebäudefachmann Müller: "Man kann so etwas nicht pauschal entscheiden, sondern muss immer das konkrete Gebäude und seine Nutzung anschauen."
Bei einer Tasse Tee im Besprechungsraum neben dem Pfarrbüro hat Ost dann noch einen Tipp parat: "Hydraulischer Abgleich" heißt sein Stichwort. Oft seien in Altbauten wie dem Pfarrhaus die Heizkörper zu groß - drossele man bei diesen den Durchfluss mit voreinstellbaren Thermostatventilen, könnten die Heizkörper die Wärme effizienter aufnehmen und abgeben, als Nebeneffekt würden auch noch andere Heizkörper etwa in den Obergeschossen schneller warm. "Insgesamt zirkuliert weniger heißes Wasser", sagt Ost, "das bringt im Schnitt Energieeinsparungen von 5 bis 15 Prozent." Auch in gedämmten Gebäuden spare ein hydraulischer Abgleich oft erstaunlich viel Energie – Aufwand und Kosten seien dagegen eher gering.
Nach gut zwei Stunden macht sich der "Heizungsflüsterer" schließlich wieder auf den Weg – mit einem Laptop voller Daten, die in seinen Energiespar-Bericht für die Gemeinde einfließen werden. Frank Osts Resümee nicht nur aus Baden-Baden-Sandweier: "Man findet immer etwas."
Info: Auch in der Heizperiode 2020/21 kommen die Heizungsflüsterer wieder in die Gemeinden. Bewerben können sich dieses Mal alle Verrechnungsstellen bzw. Gesamtkirchengemeinden mit ihren Kirchengemeinden.
Autor: Thomas Goebel


