"Was wir anleihern kommt in der Regel auch ..."
Markus Heinzelmann und Josef Gulde aus St. Pankratius in Gammertingen-Trochtelfingen
Wunderschön auf der schwäbischen Alb, etwa auf halber Strecke zwischen Reutlingen und Sigmaringen, liegt der 1.250-Seelen-Ort Steinhilben. Zwei dieser Seelen und "waschechte Ureinwohner" sind Josef Gulde und Markus Heinzelmann, die in der örtlichen Kirchengemeinde St. Pankratius gemeinsam das Energiemanagement stemmen.
Heinzelmann, bereits seit 2009 im Amt, ist gelernter Heizungsbauer. Er ist kein Mann der großen Worte, das merkt man schnell, aber an Tatkraft fehlt es nicht. Wenn die alte Heizungsanlage im Pfarrheim mal wieder ausfällt, ruft man ihn an und er legt sich ins Zeug, um die Räumlichkeiten warm zu kriegen.
Fachkundige Verstärkung
Als die Energie-Offensive zur Schulung für ehrenamtliche Energiebeauftragte im April 2016 einlud, kam die Idee auf, die anstehenden Projekte im Tandem anzugehen. Motivation dahinter war auch der Gedanke, den Pfarrer zu entlasten, denn der ist in der 2015 entstandenen Seelsorgeeinheit Gammertingen-Trochtelfingen für insgesamt acht Gemeinden in einem Radius von 20 Kilometern zuständig. Entsprechend voll ist sein Terminkalender, da bleibt für praktische Themen wenig Zeit. Josef Gulde verstärkt das Energiemanagement nicht nur personell, sondern auch fachlich: Hauptberuflich betreibt er neben einer Zimmerei gemeinsam mit zwei Partnern eine Energieberatung. Im Gemeindeteam hat er bereits die Funktion des Baubeauftragten.
Von Mesner Hummel "berufen"
Zum ehrenamtlichen Energie-Beauftragten in der Gemeinde hat ihn gewissermaßen Mesner Hummel "berufen". Der "Oberenergie-Beauftragte" der Energie-Offensive in Freiburg, der in Form humorvoller Comics jeden Monat Schöpfungstipps für die Energie-Beauftragten in der Erzdiözese bereithält, hat in Steinhilben zufällig einen Namensverwandten. Von 1921 bis 1974 war Karl Hummel Mesner in Steinhilben, bevor Josef Gulde im zarten Alter von neun Jahren Hummels Nachfolge antrat. So hatte er, als ihm das Maskottchen der Energie-Offensive zum ersten Mal über den Weg lief, gleich einen sehr persönlichen Bezug. Bei den Schulungen im April und Juli 2016 konnten beide, Gulde und Heinzelmann, trotz ihres großen Vorwissens noch eine Menge mitnehmen für die kleinen und großen Vorhaben in ihrer Gemeinde.
Eine gemeinsame Vision
Kleine Maßnahmen wie die Umrüstung der Kirchenbeleuchtung auf Energiesparlampen sind längst umgesetzt. Im Fokus steht jetzt eine größere Vision: Die über Strom betriebene und in die Jahre gekommene Heizungsanlage unter dem Pfarrheim soll einem Kombikessel für Hackschnitzel und Pellets weichen. Die geplante 150kW-Anlage könnte dann von der Kirchengemeinde betrieben werden und sowohl Kirchenraum als auch Pfarrheim beheizen. Das wäre ein echtes Gemeinschaftsprojekt, die Gemeindemitglieder würden selbst Hackschnitzel liefern. "Davon haben wir bei uns auf der Alb zu Genüge", erklärt Gulde. So fehlt es in der Region nicht an Erfahrung mit dem Energieträger, von der 25kW-Anlage im Privathaushalt bis zur 500kW-Anlage in Industriebetrieben der Region. Größte Hürde für die Kirchengemeinde sind die kalkulierten Anschaffungskosten von 360.000€.
Mit Geduld und Zuversicht
Trotz eines Investitionsstaus in der Seelsorgeeinheit sind die beiden Energie-Beauftragten optimistisch. "Alles, was wir bisher so angeleiert haben, ist eigentlich gekommen", sagt Gulde und fügt lächelnd hinzu: "Wir müssen jetzt halt warten, bis wir drankommen oder bis die zwei da unten den Geist aufgeben." ‚Die zwei‘ sind die beiden elektrischen Durchlauferhitzer aus den 80er Jahren, die den Pufferspeicher befüllen und schon jetzt häufig Probleme bereiten, weil der Zulauf nicht zuverlässig funktioniert. Gulde hat mit seinen Kollegen von der Energieberatung gleich einen kompletten Plan für eine neue Heizungsanlage entworfen. Unter Berücksichtigung der Förderung energiesparender Investitionen aus dem Ausgleichstock der Erzdiözese und eines Zuschusses aus dem Landesprogramm "Klimaschutz Plus" würden sich die verbleibenden Kosten innerhalb von 15 Jahren allein durch die Einsparungen am Energieträger amortisieren. Und wenn die Anlage steht, wäre mit Markus Heinzelmann auch für die neue Anlage ein Fachmann für die Praxis vor Ort, der beispielsweise die Einhaltung von Qualitätsstandards für die Hackschnitzel überprüfen könnte.
Im Charakter verschieden, in der Sache einig
Die Steinhilber Energie-Beauftragten könnten – zumindest auf den ersten Eindruck – unterschiedlicher kaum sein. Der eine wortkarg und ernst, der andere beredt und meist mit einem Lächeln im Gesicht. Vielleicht ergänzen sie sich gerade deshalb, ganz zu schweigen von den unterschiedlichen fachlichen Facetten, so gut als Energiemanagement-Team. Gemeinsam sind ihnen die Verbundenheit zu ihrer Kirchengemeinde und die gelassene Beharrlichkeit, mit der sie ihr Amt ausführen und die kaum Raum für Zweifel und Pessimismus lässt. "Der Weg ist bereitet, jetzt schauen wir mal", sagt Gulde zum Abschluss, und spätestens da ist man sicher, dass die Steinhilber ihre Hackschnitzelanlage kriegen werden.
Heinzelmann & Gulde
Markus Heinzelmann, gelernter Heizungsbauer, ist seit 2009 Energie-Beauftragter der Kirchengemeinde.
Josef Gulde betreibt eine Zimmerei und gemeinsam mit zwei Partnern eine Energieberatung. Seit 2016 übernehmen die beiden gemeinsam die Aufgabe des Energie-Beauftragten.
Gebäude in der Kirchengemeinde St. Pankratius in Trochtelfingen-Steinhilben
Pfarrkirche, Baujahr 1699
Pfarrhaus, Baujahr 1842
Gemeindehaus, Baujahr 1842
Steinhilben liegt am östlichsten Zipfel von Hohenzollern, unmittelbar am Rand der Erzdiözese. Bis Rottenburg am Neckar, Bischofsstadt der Nachbardiözese sind es 44 km, nach Freiburg sind es 162 km.
Autorin: Juliane Langer





