"Nach der Kirche ist der Akku wieder voll"

Lothar Hug aus St. Sebastian in Simonswald

"Sonntagmorgens, wenn die Leute zum Gottesdienst kommen, könnten sie dann hier ihr Auto dranhängen", sagt Lothar Hug und zeigt auf die Kirchenwiese, wo bisher nur ein Haufen Schwarzwälder Schnee liegt. Hier eine Ladestation für Elektroautos hinzustellen, wäre ideal und würde der Elektromobilität im Tal zusätzlichen Schub geben, findet der 54-jährige Energiebeauftragte der Seelsorgeeinheit Mittleres Elz- und Simonswäldertal.

Die Leitung läuft direkt unter dem Parkplatz
Der Parkplatz vor der Kirche wäre für eine Ladestation ideal, findet Lothar Hug (rechts). Klimamanager Ferdinand Gabelmann aus dem Ordinariat (links) zückt schon mal den Stecker.
Die Idee bietet sich technisch an: Direkt neben den Parkplätzen von St. Sebastian in Untersimonswald läuft die Leitung, die die Kirche mit Strom versorgt. "Wenn die Leute aus der Kirche raus kommen, ist der Akku wieder voll, in doppelter Hinsicht", sagt er lächelnd.
 
Das Ordinariat hat Zuschüsse angedeutet, vielleicht lässt sich auch der kircheneigene Stromlieferant KSE als Partner gewinnen. Jetzt fehlen nur noch die Kollegen im Stiftungsrat.
 
Den Umweltschutz im Blick haben – und technisch machbare Ideen einbringen, so versteht Lothar Hug seine Aufgabe als ehrenamtlicher Energiebeauftragter der gesamten Seelsorgeeinheit. Hug ist studierter Feinwerktechniker, er arbeitet bei einem Betrieb für Schalt- und Sicherheitsgeräte im benachbarten Furtwangen. 2012 hat er zusätzlich das berufsbegleitende Fernstudium "Technischer Umweltschutz" in Rostock abgeschlossen.
Ruhig und zugleich beharrlich - ein Schwarzwälder
Hug weiß, welche Umbauten und Reparaturen in der Kirchengemeinde anstehen, was sich umsetzen lässt und was nicht. Hinter seiner ruhigen Art ist die Beharrlichkeit zu spüren, mit der er sich für nachhaltige Lösungen einsetzt. Hug ist Schwarzwälder, seine Eltern hatten einen Hof in Simonswald, er ist mit der Natur aufgewachsen. Im Examen seines ersten Studiums hat er sich mit Nitratmessgeräten beschäftigt, um die Düngung auf landwirtschaftlichen Flächen zu regulieren.
Plötzlich wurde viel mehr Wasser verbraucht
Zur Seelsorgeeinheit gehören fünf Pfarreien - mit fünf Kirchen, Pfarrhäusern, Gemeindezentren, Kindergärten. Als Energiebeauftragter behält Hug die Verbrauchswerte im Blick: Wasser, Strom, Gas, Öl. In Bleibach, Gutach und im Siegelau konnte er Leute gewinnen, die ihm die Werte per Fax oder Mail melden. Er trägt sie in ein Computerprogramm ein und geht auffälligen Schwankungen nach. Als in Bleibach zum Beispiel plötzlich viel mehr Wasser verbraucht wurde, hat er nachgefragt. Die Sache klärte sich: Die Beinhauskapelle wurde renoviert, dafür brauchte der Gipser das Wasser. Wäre aber ein Rohrbruch Schuld gewesen, hätte Hug ihn bald  bemerkt.
Smartmeter wären super
Trotzdem ist er nicht ganz zufrieden – technisch ginge so viel mehr: "Es wäre super, wenn man die Stromzähler auf Smartmeter umstellen würde", sagt er. Diese Geräte können fortlaufend die digitalen Verbrauchswerte an einen Computer übermitteln. Das würde in der großen Seelsorgeeinheit nicht nur den Aufwand verkleinern – die Daten wären auch genauer und besser vergleichbar. Hug gerät ins Schwärmen: Man könnte Schwellenwerte festlegen und wenn der Stromverbrauch diese überschreitet, bekäme er automatisch eine Nachricht aufs Handy. Rund 100 Euro kostet ein Gerät, bisher konnte er seine Ratskollegen nicht überzeugen: "Es gibt andere Prioritäten ..."
 
Gespräche gehören dazu, Kompromisse auch. Wie bei der laufenden Sanierung des Untersimonswälder Pfarrhauses aus dem 18. Jahrhundert. "Nach einigen Diskussionen haben wir uns für eine Pelletheizung mit Solarthermie-Unterstützung entschieden", sagt Hug. Eine gute Lösung, findet er. Obwohl er immer noch ein wenig einer größeren Idee hinterhertrauert.
Immerhin kein Ölkessel mehr
Ferdinand Gabelmann, Klimamanager im Ordinariat, und Thomas Goebel, Journalist, (links) besuchten Lother Hug (Mitte) in Untersimonswald
Auf seinem Tablet zeigt er Fotos und Pläne: Über einen so genannten Wärmenahverbund hätte eine Pelletheizung im Pfarrhaus auch das benachbarte Gemeindehaus und den Kindergarten mitversorgt. Machbar wäre das gewesen, die Kosten erschienen aber letztlich zu hoch. Und es gab Sorgen vor komplizierten Verhandlungen, falls das Pfarrhaus einmal verkauft werden sollte. Immerhin kommt nicht wieder ein Ölkessel ins Pfarrhaus: "Dagegen habe ich mich vehement gewehrt."
 
Die Pfarrhaussanierung war auch Anstoß für Energiechecks in der gesamten Seelsorgeeinheit. Das Ordinariat fordert sie, bevor es für bestimmte Bauvorhaben Zuschüsse zahlt. "Da habe ich vorgeschlagen, das gleich für alle Gebäude machen zu lassen", sagt Hug. Jetzt dienen die Vorschläge als eine Grundlage und werden "nach Bedarf umgesetzt". Irgendetwas werde an den vielen alten Gebäuden ständig repariert.
 
Doch jetzt ist da erst mal die Sache mit den Ladestationen, "mein neues Steckenpferd", sagt Hug lächelnd. Wenn die Säule vor St. Sebastian steht, wird er sich die Parkplätze vor den anderen Kirchen genauer anschauen: "Irgendwo muss man anfangen."
Lothar Hug, Untersimonswald
Lothar Hug
Jahrgang: 1962
Beruf: Feinwerktechniker/Konstrukteur
Energiebeauftragte seit 2012
 
 
Gebäude der Kirchengemeinde St. Sebastian, Simonswald:
Pfarrkirche St. Sebastian (um 1200)
Pfarrhaus St. Sebastian (1780)
Kindergarten St. Joseph und Gemeindehaus
 
Autor: Thomas Goebel