"Das ist für mich Teil gelebten Glaubens"

Bruder Laurentius für das Kloster Stift Neuburg in Heidelberg

Bruder Laurentius kennt seinen Zuständigkeitsbereich wie die eigene Westentasche. Oder besser gesagt, die Tasche seiner "Clubkleidung", wie er den schwarzen Habit der Benediktiner nennt. Stift Neuburg bei Heidelberg umfasst Kloster, Kirche, Gästehaus und den Wohnbereich der elf Mönche und des Abts, hinzu kommen Brauerei, Gärtnerei, Landwirtschaft und ein Hofladen, die inzwischen allerdings verpachtet sind.

„Ich könnte hier einige Millionen wegbuddeln“
Bruder Laurentius ist neben der Aufgabe als Facility-Manager für das Kloster auch Infirmar, d.h. für die Versorgung der Kranken zuständig.
Laurentius bekleidet das Amt des Energie-Beauftragten erst seit einigen Monaten, und doch ist ihm längst klar, dass es viele potenzielle Baustellen gibt: einfach verglaste, undichte Fenster im Refektorium, die fehlende Isolierung zum Dachboden des Wohnbereichs hin, von unten die hohe Wärmebelastung durch die Heizanlage unter den Zimmern der Mitbrüder. Auch die Überlegung, von Holzhackschnitzeln auf einen anderen Energieträger umzustellen, steht im Raum. "So kann ich hier von einem Punkt zum nächsten gucken und könnte einige Millionen wegbuddeln, um erstmal einfach nur eine vernünftige Energiebilanz zu kriegen", weiß der Benediktiner. Doch ebenso klar ist ihm, dass größere Maßnahmen wohl überlegt und v.a. finanzierbar sein müssen.
Fachkompetenz aus dem früheren Leben
"Gott hat mir an den Stuhl getreten", sagt Bruder Laurentius.
Als Facility-Manager hat er immer das große Ganze im Blick und schöpft aus seinem reichhaltigen Fachwissen und seiner Berufserfahrung als Elektrotechnikmeister. In seinem "früheren Leben" war er 15 Jahre im Fernmeldebereich der Bundeswehr, hat dort auch seinen Meister gemacht. Nach einer kurzen Phase in der Zivilwirtschaft kam die große Wendung in seinem Leben. "Weil der liebe Gott mir an den Stuhl getreten hat und meinte: ‚heb´ mal den Hintern hoch, ich hab´ was anderes mit dir vor.´" So beschreibt der Mönch in Kürze seine Lebensgeschichte, die ihn 2009 schließlich ins Heidelberger Kloster führte.
Wir haben einen hohen Auftrag
Seine Berufung ist ihm auch im Zusammenhang mit dem Energiemanagement ein hohes Anliegen. "Ich mache das nicht nur, weil ich Ahnung davon habe. Ausgangspunkt ist für mich vor allem, dass wir einen hohen Auftrag dazu haben, vernünftig mit der Schöpfung umzugehen", betont er. Sein Amt ist daher für ihn ein Teil gelebten Glaubens. Eine schöne Illustration zu diesem Selbstverständnis sind Kreuze aus kupfernen Heizungsrohren, die der Vorgänger im Keller neben den beiden Brennkesseln an die Wand gehängt hat.
 
Neben dem technischen Bereich sieht Laurentius in der Sensibilisierung der Mitbrüder und zukünftiger Generationen eine wichtige, wenn auch anspruchsvolle Aufgabe: "Der Altersdurchschnitt liegt hier bei etwa 77 Jahren, und die meisten haben seit ihrem Eintritt mit um die 20 gelernt ‚Energie sparen heißt Licht ausmachen‘", beklagt er. Gleichzeitig würden die Heizungen häufig viel zu schnell voll aufgedreht. "Es muss keiner frieren, aber eine Heizung wird ja nicht schneller heiß, wenn ich sie auf 5 statt auf 3 drehe."
Es bewegt sich etwas
Der Speisesaal, das sog. Refektorium, hat nun eine Wandtemperierung.
Dennoch ist der Energie-Beauftragte zufrieden mit den Dingen, die sich – auch dank seiner pragmatischen Herangehensweise - schon bewegen. In der Kirche hat man statt der ursprünglichen Warmluftheizung eine Wandtemperierung eingebaut, ebenso im Refektorium, dem Speisesaal. Ebenfalls in der Kirche sowie im Außenbereich hat Laurentius die Beleuchtung auf LED Technik umgerüstet. Das rentiert sich aufgrund der intensiven Nutzung v.a. in der Kirche innerhalb von weniger als einem Jahr: "Die Rechnung schafft ein Grundschulkind: Fünfmal am Tag in die Kirche, sieben Tage die Woche, da bin ich mit den gesenkten Stromkosten ganz schnell über den Anschaffungskosten", erklärt er.
Die Kirche warm beten
Redakteurin Juliane Langer, Energie-Beauftragter Bruder Laurentius, Klimaschutzmanager der Erzdiözese Ferdinand Gabelmann
Die Nutzung der Kirchengebäude kommt in den Gemeinden aus seiner Sicht oft zu kurz: "Man sollte die Formulierung ernster nehmen, dass eine Kirche warm gebetet wird", fordert er. "Chorproben, Pfarrgemeinderatssitzungen – das sind Ereignisse, die zumindest in der Kirche beginnen oder enden sollten, wenn sie schon nicht ganz dort stattfinden." In dieser Hinsicht könnten sich viele ein Beispiel an Köln nehmen, findet Laurentius, der zwar aus Essen stammt, Köln aber als seine Wahlheimat bezeichnet: "Wenn für den FC die Fußballsaison beginnt, geht der in den Dom zum Dankgottesdienst und am Schluss wird die Hymne gesungen. Und wenn der Kölner wegfährt, sagt er vorher im Dom ‚Tschüss‘ und nach der Rückkehr ‚Danke‘." Den Rheinländer im Herzen hört man zwischendurch auch an der Sprache des Benediktiners, etwa wenn er dazu auffordert, Richtung Keller zu "jon" (=gehen), und man spürt ihn am Humor. Zum Schluss verrät er uns noch, wie er es schafft, den nie zu verlieren: "Wenn es mir schlecht geht, höre ich im Internet Altstadtradio Köln. Nach drei Liedern is wedder jot."
 
Bruder Laurentius, Neuburg
Bruder Laurentius
Beruf: Mönch, Elektrotechnikmeister
Energie-Beauftragter seit 2016
 
 
 
Gebäude im Kloster Stift Neuburg (Heidelberg):
Kloster, Kirche,
Gästehaus, Wohnhaus,
Brauerei, Gärtnerei,
Landwirtschaft und Hofladen
 
 
Autorin: Juliane Langer