"Ich will Verantwortung"

Udo Klaiber aus St. Antonius in Herdwangen‐Schönach

25 Jahre war  Udo Klaiber alt, als er zum Energiebeauftragten seiner Kirchengemeinde ernannt wurde. Er ist ohne Zweifel  eine Idealbesetzung: Gelernt hat er Elektriker, inzwischen arbeitet er als Wassermeister seines Ortes, ist Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr – und altgedienter Mesner seiner Kirche. Als er anfing, war er zwölf Jahre alt.

Als er Mesner wurde, war er zwölf
Wahrscheinlich sei er damals der jüngste Mesner überhaupt gewesen, sagt Udo Klaiber, aber er will daraus keine große Geschichte machen. Er sei gerne Ministrant gewesen: "Das hat Spaß gemacht, wir hatten eine sehr gute Gemeinschaft." Für einen Freund und ihn war die Kirche damals "das einzige Hobby", sagt er, die beiden Jungs waren immer da, wenn etwas los war – und es was zu tun gab: bei Gottesdiensten, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen. Damals war noch der ehemalige Bürgermeister der Mesner der Gemeinde. "Der hat mich irgendwann gefragt, ob ich mal aushelfen könnte, wenn er krank ist", erzählt Udo Klaiber. "Zwei Wochen später hatte er einen Schlaganfall – seitdem mach‘ ich das."
Zum Bodensee sind es zehn Kilometer
Klaiber kommt aus Großschönach, einem Dorf in der Gemeinde Herdwagen‐Schönach im südlichsten Zipfel des Landkreises Sigmaringen, bis zum Bodensee sind es nur etwa zehn Kilometer. Der Turm der Pfarrkirche St. Antonius stammt aus dem Mittelalter, der große schlichte Kirchenraum wurde in den 1950er Jahren gebaut, mehr als 150 Besucher kommen in der Regel zum Sonntagsgottesdienst, erzählt Klaiber. Eine Straßenecke weiter steht das stattliche Pfarrhaus, der erste Stock ist vermietet, seit der alte Pfarrer ausgezogen ist.
 
2014 fiel dem Verwaltungsbeauftragten der Katholischen Verrechnungsstelle in Pfullendorf auf, dass die Mieterin einen sehr hohen Wasserverbrauch hatte. Das sollte sich jemand näher anschauen, fand er – ein typischer Job für einen Energiebeauftragten. "Er hat mich gefragt, weil ich der Mesner bin", erzählt Klaiber. "Und ich hab‘ gesagt, das kann ich machen, ich bin ja eh da."
Mit Biogas wärs einfacher
Er klärte mit der Mieterin, ob die Verbrauchszahlen stimmten oder irgendwo Wasser verloren ging, und behält seitdem den Verbrauch von Kirche und Pfarrhaus im Blick: Jeden Monat schreibt er die Werte von zwei Wasser‐ und fünf Stromzählern in eine Liste und überträgt sie ins Computerprogramm des Ordinariats. Auch den Heizölverbrauch des Pfarrhauses kontrolliert er. Die Kirche heizt noch mit Strom; es sei schon über ein neues Heizkonzept gesprochen worden, sagt Klaiber, konkrete Pläne gibt es bisher aber nicht: "Wenn wir Biogas in der Nähe hätten, wär’s einfacher..."
"Ich will Verantwortung, ich brauch' das"
Klaiber hat bei einem Betrieb im Nachbarort Elektriker gelernt, 2012 hat er sich für die Stelle des Wassermeisters der Gemeinde Herdwangen‐Schönach beworben – obwohl er sich mit 23 Jahren eigentlich keine Chancen ausrechnete: Schließlich sei der Wassermeister verantwortlich für das Trinkwasser von 3.400 Einwohnern, "das ist eine sehr, sehr hohe Anforderung". Er bekam den Job trotzdem und er macht ihn gerne: "Ich will Verantwortung, ich brauch‘ das", sagt er, "da bin ich mein eigener Chef". Bereitschaftsdienst auch am Wochenende nimmt er dafür in Kauf: "Ich hab‘ schon damals gesagt, das ist kein Problem – ich bin ja eh da wegen der Kirche."

Die Verantwortung motiviert ihn. Und Klaiber ist verwurzelt im Ort. Auf dem Bauernhof hinter der Kirche lebt die Schwester seiner Freundin, auf der Straße wird er aus den vorbeifahrenden Autos gegrüßt. Sein Opa hat in den 50er Jahren am neuen Kirchengebäude mitgemauert. Wegen der Verbindung mit seinem Ort sei er dabeigeblieben, statt jedes Wochenende in die Berge oder an den See zu fahren, und habe auch Jobs wie den des Energiebeauftragten übernommen, sagt Klaiber: "Das klingt vielleicht etwas blöd aus meinem Mund, aber ich mach‘ das dem Dorf zuliebe."
"Das freut viele."
Ein bisschen viel werde es manchmal schon neben dem Beruf, gibt er zu. Zum Nebenjob als Mesner kämen eben mit der Zeit neue Aufgaben: Die Kollekte darf jetzt nur noch zu zweit gezählt werden, offizielle Arbeitsstunden müssen für den Mindestlohn genau erfasst werden, seit zwei Jahren liegt nun auch sein Notizblock mit den Verbrauchstabellen in der Sakristei. "Ab und zu hab ich schon Phasen, da sag‘ ich es reicht, ich hab‘ das lang genug gemacht. Aber dann sagen meine Eltern: Mach‘ weiter, das freut viele."
Udo Klaiber, Großschönach
Udo Klaiber
Jahrgang: 1988
Beruf: Wassermeister
Energiebeauftragter seit: 2014
 

Gebäude in der Gemeinde Herdwangen‐Schönach (Landkreis Sigmaringen):

Pfarrkirche St. Antonius (1956), Pfarrhaus St. Antonius (1848)
 
 
 
Autor: Thomas Goebel