"Ich wohn‘ gleich nebenan, ich mach‘ das"
Martha Zeller aus St. Cyriak in Blumberg-Kommingen
Hinderlich für ihren Job als Energiebeauftragte findet die gelernte Industriekauffrau das aber nicht. "Gut, die Heizung ist etwas kompliziert", sagt sie, "aber das passt schon: Wenn ich nicht weiterkomme, frage ich meinen Mann, und wenn der nicht weiterkommt, ruf ich die Heizungsfirma an." Dass ihr Engagement sich auszahlt für Gemeinde und Umwelt, beweist eine Reihe von Balkendiagrammen, die Zeller vor sich auf dem Küchentisch liegen hat. Sie stammen aus dem digitalen Erfassungsprogramm, in das sie den monatlichen Zählerstand einträgt. Die kleinen gelben Balken zeigen, dass der Stromverbrauch seit 2010 bis auf eine geringfügige Ausnahme jedes Jahr gesunken ist, 2014 war er so niedrig wie nie in den erfassten sieben Jahren: "Da sieht man schon, dass wir dran schaffen…".
Wichtig dafür war der Energiecheck von Kirchengebäude und vermietetem Pfarrhaus durch einen Berater der Energieagentur. Auf seine Empfehlung hin wurden zum Beispiel die alten Doppelglasfenster der Kirche gerichtet – und die Temperatureinstellungen abgesenkt. "Die Sitzbankheizung läuft über den Zähler fürs Licht", sagt Zeller lachend: Im Winter schießt der kirchliche Stromverbrauch in die Höhe.
Schließlich fand man einen guten Kompromiss mit zufriedenen Gottesdienstbesuchern und gesunkenem Stromverbrauch. Nur im Altarraum ist’s im Winter weiter kalt: "Da hat der Pfarrer schon manchmal feste gefroren – und die Ministranten auch ein wenig."
Bis das Heizungsthema wieder aktuell wird, liest Martha Zeller weiter die Zählerstände ab, behält den Verbrauch im Blick und fragt nach, wenn ein Wert ihr komisch vorkommt: "Dann schwätz‘ ich erst mal mit der Mesnerin und dem Vorsitzenden vom Pfarrgemeinderat, ob vielleicht etwas an mir vorbeigegangen ist." Eine Feier zum Beispiel oder Handwerker, die Strom verbraucht haben. Die Mesnerin lebt nur ein Haus weiter, die Wege sind kurz in Kommingen, man kennt sich.
Und Martha Zeller ist doppelt dicht dran – als Nachbarin und ehemaliges Mitglied im Pfarrgemeinderat. Bei der vergangenen Wahl hat sie nicht mehr kandidiert, nach 15 Jahren Mitarbeit. Aber Energiebeauftragte ihrer Gemeinde bleibt sie gern, auch wenn sie sich lachend gegen den Titel wehrt: "Ich betrachte mich gar nicht als Energiebeauftragte – ich bin der Stromableser."
Wenn Martha Zeller aus ihrem Küchenfenster schaut, sieht sie eine Kirchenwand. Vielleicht zehn Meter liegen zwischen ihrem Haus am Rand des Dörfchens Kommingen und der weiß getünchten Pfarrkirche St. Cyriak daneben. Diese Nähe war es, die sie zur Energiebeauftragten ihrer Gemeinde werden ließ. Als 2006 die Energieoffensive der Erzdiözese startete, stand im Pfarrgemeinderat die Frage im Raum, wer denn wohl regelmäßig den Stromverbrauch in der Kirche ablesen könne. "Da habe ich gesagt: Ich wohn‘ gleich nebenan, ich mach‘ das", berichtet Zeller.
Allein unter Technikern
Dass sie anfangs einen gewissen Exotenstatus in ihrem neuen Ehrenamt hatte, merkte Martha Zeller spätestens ein paar Monate später auf ihrer ersten Schulung. Der Referent habe ziemlich erstaunt geschaut, erzählt sie und lacht herzlich: Er habe mit männlichen, an Technik interessierten Rentnern gerechnet – und dann kam sie zur Türe herein. "Ich war genau das Gegenteil: die einzige Frau, von Technik hab‘ ich nicht wirklich Ahnung, und Rentner bin ich auch nicht…".
Hinderlich für ihren Job als Energiebeauftragte findet die gelernte Industriekauffrau das aber nicht. "Gut, die Heizung ist etwas kompliziert", sagt sie, "aber das passt schon: Wenn ich nicht weiterkomme, frage ich meinen Mann, und wenn der nicht weiterkommt, ruf ich die Heizungsfirma an." Dass ihr Engagement sich auszahlt für Gemeinde und Umwelt, beweist eine Reihe von Balkendiagrammen, die Zeller vor sich auf dem Küchentisch liegen hat. Sie stammen aus dem digitalen Erfassungsprogramm, in das sie den monatlichen Zählerstand einträgt. Die kleinen gelben Balken zeigen, dass der Stromverbrauch seit 2010 bis auf eine geringfügige Ausnahme jedes Jahr gesunken ist, 2014 war er so niedrig wie nie in den erfassten sieben Jahren: "Da sieht man schon, dass wir dran schaffen…".
Wichtig dafür war der Energiecheck von Kirchengebäude und vermietetem Pfarrhaus durch einen Berater der Energieagentur. Auf seine Empfehlung hin wurden zum Beispiel die alten Doppelglasfenster der Kirche gerichtet – und die Temperatureinstellungen abgesenkt. "Die Sitzbankheizung läuft über den Zähler fürs Licht", sagt Zeller lachend: Im Winter schießt der kirchliche Stromverbrauch in die Höhe.
Bei neun Grad wurde es kritisch
Beim Rundgang durch die große Dorfkirche nimmt Martha Zeller ein hölzernes Thermometer in die Hand, das am Rand eines Marienaltars lehnt. Sie hat es dort hingestellt, als die Gemeinde begann, die Temperaturen umzustellen. Mit der Sitzbankheizung die gesamte Kirche im Winter warm zu bekommen sei ohnehin schwierig, aber für die Besucher wirke es anders, wenn die Wärme von unten komme: "Das mussten wir erst ein wenig austesten", sagt sie, "bei neun Grad haben die Leute dann angefangen zu motzen – man kann‘s auch nicht zu weit treiben…".
Schließlich fand man einen guten Kompromiss mit zufriedenen Gottesdienstbesuchern und gesunkenem Stromverbrauch. Nur im Altarraum ist’s im Winter weiter kalt: "Da hat der Pfarrer schon manchmal feste gefroren – und die Ministranten auch ein wenig."
Die künftige Nutzung abwarten
Das Dorf Kommingen gehört zur Stadt Blumberg, es liegt am äußersten Südrand des Schwarzwalds nahe der Schweizer Grenze. 250 Einwohner hat der Ort, die meisten von ihnen gehören zur römisch-katholischen Kirchengemeinde St. Cyriak, aber fast genauso viele sind altkatholisch und haben ein eigenes, neueres Kirchengebäude. Eigentlich könnte die alte Dorfkirche eine moderne, umweltfreundliche Heizung gebrauchen. "Das Thema liegt aber ein wenig auf Eis", sagt Martha Zeller, noch ist unklar, ob und wie die Kirche künftig genutzt wird: Gerade erst wurde eine neue Seelsorgeeinheit gebildet.
Bis das Heizungsthema wieder aktuell wird, liest Martha Zeller weiter die Zählerstände ab, behält den Verbrauch im Blick und fragt nach, wenn ein Wert ihr komisch vorkommt: "Dann schwätz‘ ich erst mal mit der Mesnerin und dem Vorsitzenden vom Pfarrgemeinderat, ob vielleicht etwas an mir vorbeigegangen ist." Eine Feier zum Beispiel oder Handwerker, die Strom verbraucht haben. Die Mesnerin lebt nur ein Haus weiter, die Wege sind kurz in Kommingen, man kennt sich.
Und Martha Zeller ist doppelt dicht dran – als Nachbarin und ehemaliges Mitglied im Pfarrgemeinderat. Bei der vergangenen Wahl hat sie nicht mehr kandidiert, nach 15 Jahren Mitarbeit. Aber Energiebeauftragte ihrer Gemeinde bleibt sie gern, auch wenn sie sich lachend gegen den Titel wehrt: "Ich betrachte mich gar nicht als Energiebeauftragte – ich bin der Stromableser."
Martha Zeller, Blumberg
Pfarrkirche St. Cyriak (1817)
Pfarrhaus St. Cyriak (1864)
Autor: Thomas Goebel



