Bei uns steht die Bewahrung der Schöpfung in der Hausordnung

KL Freiburg - Internationales Gästehaus für junge Menschen & Gruppen in Freiburg

Umweltschutz hat Tradition im "KL Freiburg – Internationales Gästehaus für junge Menschen und Gruppen". Seit einigen Jahren gibt es dort nun auch ein Energiemanagement.

Im Aufenthaltsraum steht ein blaues Sofa, an der Wand gegenüber hängt ein Fernseher. Die beiden Heizkörper unter den Fenstern haben dort, wo sonst ein drehbarer Thermostatkopf sitzt, kleine Kästchen mit digitalen Displays: elektronische Heizkörperthermostate, die automatisch für eine programmierte Raumtemperatur sorgen. 17 Grad Celsius zeigt das eine Display, die Heizung ist kühl, Hausmeister Mariusz Doniec nickt zufrieden. Die zweite Heizung aber ist heiß, 25 Grad steht auf dem Display. Doniec schüttelt den Kopf: "Da hat jemand dran rumgefummelt." Es ist kurz vor 13 Uhr, eigentlich sollten alle Heizkörper hier im dritten Stock des Gästehauses "KL Freiburg" die Temperatur in den leeren Räumen niedrig halten – so lange die Bewohnerinnen und Bewohner nicht da sind.
 
In temporär nicht genutzten Räumen wird die Temperatur niedrig gehalten.
Die Bewohnerinnen und Bewohner, das sind zurzeit Auszubildende für Steinmetzarbeiten und in der Augenoptik aus ganz Baden-Württemberg, die während des Blockunterrichts an ihren Freiburger Berufsschulen im KL wohnen. Früher hieß das achtstöckige Gebäude an der Kartäuserstraße "Katholisches Lehrlingsheim"; davon sind nur noch die Anfangsbuchstaben übrig. Dafür trägt das KL nun den Zusatz "Internationales Gästehaus für junge Menschen und Gruppen". Rund 100 Azubis wohnen hier gleichzeitig für je vier Wochen, inklusive Vollverpflegung und Nachtbetreuung; etwa ein Drittel ist minderjährig. Dazu kommen noch ein kleiner Tagungsbetrieb und in den Schulferien Gruppen wie Schulklassen oder Vereine.
Ein Jahr Energiesparen mit System
Seit Herbst 2018 gibt es im KL ein Energiemanagement. Das bedeutet, dass über einen Zeitraum von drei Jahren ein externer Energieberater das Haus mit Vorschlägen und Informationen zum Energiesparen unterstützt. Die Kosten dafür übernehmen die Erzdiözese Freiburg und das Land Baden-Württemberg. Es geht nicht um teure Modernisierungen, sondern um Maßnahmen, die wenig kosten und die im Alltag gut umgesetzt werden können.
 
So wie die Thermostatköpfe im dritten Stock: Sie kosten nur wenige Euro und sind leicht zu montieren. Zwischen 9 und 15 Uhr, wenn die Auszubildenden in der Schule sind, senken die Thermostate die Raumtemperatur um vier Grad ab, ebenso am Wochenende. "Das macht schon was aus bei aktuell 107 Lehrlingen", sagt Markus Lai, der für die Gästebetreuung zuständig ist. "Sie sollen sich aber natürlich trotzdem wohlfühlen." Deshalb probiert das KL die Technik zunächst nur auf zwei Stockwerken aus. Und die Mitarbeiter haben sich für Thermostate entschieden, die man an einem Rädchen individuell nachregeln kann – zumindest bis zum nächsten programmierten Zeitpunkt. Das Wärmeempfinden eines angehenden Steinmetzes aus Furtwangen unterscheide sich eben möglicherweise von dem einer künftigen Optikerin vom Kaiserstuhl. Jetzt wolle man Erfahrungen sammeln.
 
Geschäftsführer Markus Günther vor dem KL
Insgesamt seien die Ergebnisse nach über einem Jahr Energiemanagement überraschend gut, sagt Geschäftsführer Markus Günter. Der Umweltschutz hat im Haus Tradition, schon seit 1999 hängen prägnante Solar-Elemente an der Fassade. Seit 2017 ist das KL Freiburg auch gemäß dem EU-Öko-Audit EMAS zertifiziert. "Dass beim Energiemanagement externe Expertise ins Haus kommt, war genau die Komponente, die uns noch gefehlt hat", sagt Günter. Die gemeinsame Bestandsaufnahme zu Beginn sei hilfreich gewesen. Susanne Abele, pädagogische Leitung im KL, erinnert sich: "Wir sind durchs ganze Haus gelaufen und bis in letzten Winkel gekrochen."
Mit kleinen und großen Maßnahmen zum Erfolg
Anschließend entstanden gemeinsam die Ideen für viele Maßnahmen. So leuchteten etwa in quadratischen Aussparungen der Flurdecken je vier Neonröhren. "Wir haben jede zweite rausgedreht und geschaut, ob‘s noch hell genug ist", sagt Hausmeister Doniec. Zu dunkel durfte es nicht werden, das hätte schlechte Auswirkungen aufs nächtliche Sicherheitsgefühl in den Gängen, sagt Abele. Nachdem der Energieberater die Helligkeit nachgemessen hatte, war klar: Zwei Röhren reichen. "Abend sieht‘s jetzt sogar schöner aus", findet Abele.
Unzählige alte Leuchtmittel wurden außerdem gegen passende LEDs ausgetauscht. "Die sind überall – bis hin zur Tiefgarage", sagt Doniec mit leichtem Seufzen. Doch die Anstrengungen lohnten sich: Schon von 2015 bis 2017 war der Stromverbrauch kontinuierlich gesunken; 2018 verbrauchte das KL noch einmal sieben Prozent weniger als im Mittel der drei Jahre. "Im gesamten Zeitraum haben wir 4.000 Euro Stromkosten eingespart – trotz steigender Preise", sagt Günter.
 
Schwieriger sei es bei der Wärme. Das Experiment mit den Thermostatköpfen läuft noch. Eine 6.000 Euro teure Dämmung von Heizungsrohren im Keller haben sie verschoben – eventuell wird demnächst ein Anbau abgerissen und neu gebaut, dann stünden wohl sowieso Umbauten an der Heizung an. Gespräche mit einem Installateur gab es schon, auch hier war der Energieberater dabei: "Es ist sinnvoll, wenn auf beiden Seiten jemand sitzt, der Ahnung von der Technik hat."
 
Einsparpotential auch beim Wasserverbrauch. Mithilfe der neuen Duschköpfe soll die Umwelt geschont werden und der Komfort nicht leiden.
Eventuell wird mit dem Umbau auch die Küche modernisiert, in der jeden Mittag rund 200 Essen entstehen. Die Köche achteten aber schon jetzt darauf, nicht morgens einfach alle Geräte vom Kombidämpfer bis zur Fritteuse anzuschalten, sondern nur gezielt nach Bedarf, versichert Hauswirtschaftsleiterin Annette Rößler. Weiteres Thema ist der Wasserverbrauch im Wohnbereich: Hausmeister Doniec experimentiert mit neuen Duschköpfen und Perlatoren für Waschbeckenarmaturen, die den Durchlauf verringern.
 
Und nicht zuletzt ist Umweltschutz Teil des pädagogischen Programms. "Bei uns steht die Bewahrung der Schöpfung in der Hausordnung", sagt Abele. Neue Azubi-Jahrgänge bekommen eine Einführung in Energiesparen und Mülltrennen, es gibt abendliche Talk-Runden zum Beispiel zur "Fridays for Future"-Bewegung. Und Lai ergänzt: "Wenn ein Gast in kurzer Hose im Fernsehraum sitzt, die Heizung voll aufgedreht und das Fenster offen – da frage ich auch mal nach, ob er das so sinnvoll findet." Oft merke er dann, "wie es anfängt zu arbeiten."
 
KL Freiburg - Internationales Gästehaus für junge Menschen & Gruppen
2012 umbenannt
vormals Katholisches Lehrlingsheim Freiburg
1967 Umzug in das aktuelle Gebäude
2003-2005 und 2013-2015 grundlegend modernisiert
123 Betten und 3 Tagungsräume
 
Autor: Thomas Goebel