Vom Keller bis unters Dach: Das Ordinariat im Check
Erzbischöflisches Ordinariat in Freiburg
Die Erzdiözese Freiburg fördert die Einführung eines Energiemanagements in ihren Einrichtungen. Nun ist auch das Erzbischöfliche Ordinariat selbst dran – und startet mit einer großen Bestandsaufnahme.
Viele alte Balken tragen den Dachstuhl des Erzbischöflichen Ordinariats. Hier, ganz oben auf dem Speicher des markanten Gebäudekomplexes, ist es schummrig. Doch das Licht reicht aus, um Holz und Ziegel zu erkennen – und die Dämmung, die zwischen dem Bretterboden und der Dachschräge herausschaut. Damian Wimmer und sein Kollege Florian Schmid nicken zufrieden: Deshalb sind sie die vielen Stufen hinaufgestiegen. Jetzt wissen sie, dass nicht nur der Boden des Speichers gedämmt ist, sondern auch der nach unten verlaufende Teil der Dachschräge – dort also, wo schon Büros liegen.
Durch die Bestandsaufnahme kommen wir an die wichtigen Themen
Wimmer und Schmid sind Mitarbeiter der Energieagentur Regio Freiburg GmbH. Sie unterstützen die Erzdiözese Freiburg dabei, ein Energiemanagement im Ordinariat einzuführen. Genauer gesagt: im Hauptgebäude der Verwaltung entlang der Schoferstraße, gleich hinter dem Freiburger Münster. Fast 300 Menschen arbeiten in dem denkmalgeschützten Sandsteinbau von 1906 und den beiden Anbauten aus den 1970er und 1980er Jahren und weiteren Bürogebäuden in der Nähe.
Seit 2018 fördert die Erzdiözese Freiburg die Einführung eines Energiemanagements in ihren Einrichtungen; dahinter steht die Vision einer klimaneutralen Diözese bis 2030. Nun soll das eigene Verwaltungsgebäude an die Reihe kommen. Auch im Ordinariat muss mit der Bestandsaufnahmen zunächst ein erster Schritt gegangen werden: "Noch geht es darum zu schauen, was überhaupt wichtige Themen sind für ein Energiemanagement in diesem großen und komplexen Gebäude", sagt Miriam Strake. Sie ist Klimaschutzmanagerin* für die ganze Erzdiözese und im Ordinariat, ihrem Dienstsitz, auch Mitglied im Energieteam, das den Prozess im Haus vorantreiben soll.
Ziel des Energiemanagements seien "nicht- und geringinvestive Maßnahmen", also keine großen Sanierungen. Es gehe um das alltägliche Verhalten der Gebäudenutzerinnen und -nutzer, um die Einstellungen von technischen Anlagen wie der Heizung, hier und da auch um kleinere Modernisierungen, etwa bei Leuchtmitteln und Isolierungen. Die Energieeinsparungen, die dadurch an verschiedenen Stellen möglich werden, seien in der Summe oft erstaunlich, so Strake. Drei Jahre wird das Ordinariat jetzt von den externen Beratern dabei unterstützt, solche Maßnahmen zu finden und erfolgreich umzusetzen.
Die Wärme aber kommt aus dem Priesterserminar
Deshalb ist sie an diesem Vormittag mit den beiden Energieberatern sowie dem Architekten Hans-Peter Bär vom diözesanen Immobilienmanagement, Sebastian Rein, der als Referatsleiter für das Hausmanagement verantwortlich ist, und Hausmeister Bernd Liebherr nicht nur hoch hinauf bis unters Dach des Ordinariats gestiegen – sondern auch tief hinab in den Keller. Und zwar in den des benachbarten Priesterseminars Collegium Borromaeum: Hier unten steht in alten Gewölben ein modernes Blockheizkraftwerk, das auch die Wärme für das Ordinariatsgebäude nebenan liefert.
Der große Kellerraum wird von Leuchtstoffröhren hell erleuchtet, gedämmte Stahlrohre ziehen sich über Wände und Decken. In der Raummitte stehen zwei große graue Kästen: das Blockheizkraftwerk, das seit 2017 Strom und Wärme aus Erdgas erzeugt – und damit nicht nur das Collegium Borromaeum selbst und das Ordinariat, sondern auch die Schulstiftung der Erzdiözese sowie das Feinschmecker-Restaurant Wolfshöhle im selben Block versorgt. Im Frühjahr 2020 soll zusätzlich das neue Münsterforum angeschlossen werden.
Es geht nicht nur um Technik, sondern auch um Kommunikation
Energieberater Schmid steht jetzt im Vorraum des Heizungskellers vor dem Heizungsverteiler mit Pumpen und blauen Absperr-Rädern. "Gästeflügel" oder "Fußbodenheizung Hörsaal" steht auf Schildchen an den Leitungen – hier wird das warme Wasser verteilt. Schmid interessiert sich besonders für die Zahl, die das runde Thermometer über dem Schild "Vorlauf Fernleitung Ordinariat" anzeigt: 82 Grad Celsius. So heiß ist das Wasser, das von hier aus unter der Schoferstraße hindurch ins Ordinariat fließt, um Heizungen und Warmwasserleitungen zu versorgen. Über 80 Grad in der Vorlaufleitung, ist das überhaupt nötig? Wie sieht es im Sommer aus, wenn im Ordinariat nur wenig warmes Wasser, aber keine Heizung gebraucht wird? Und wie um Mitternacht? "Bei zehn Grad weniger hätten wir deutlich weniger Fernwärme-Verluste auf der Strecke", sagt Schmid.
Sein Kollege und er schlagen vor, dass sie die Jahreswerte aus der Gebäudeleittechnik auslesen und in Ruhe analysieren. Aber wer könnte überhaupt Veränderungen an der komplizierten Anlage vornehmen, wer von den angeschlossenen Einrichtungen hat welche Zugriffsrechte auf die Steuerung? Das lässt sich bei den vielen Beteiligten gar nicht so einfach beantworten. "Wir werden uns intern an einen Tisch setzen und das noch mal gemeinsam mit den Experten der Heizungsfirma klären", sagt Architekt Bär. Und die Klimaschutzmanagerin ergänzt: "Oft geht‘s beim Energiemanagement eben nicht nur um Technik, sondern auch um Kommunikation."
Energetisch gar nicht schlecht – und trotzdem noch gut zu tun
Das gilt auch für die vielen anderen Bereiche, die sich die beiden Energieberater schon bei ihrem vorigen Besuch im Ordinariat angeschaut und in Gesprächen mit Mitarbeitenden geklärt haben – zum Beispiel, wie diese die Teeküchen nutzen, welche Lampen sie in ihren Büros haben, wie die Klimaanlagen in den Räumen oben unterm Dach eingesetzt werden, wo es in den Freiburger Sommern richtig heiß werden kann. Auch die Gebäudehülle haben die Fachleute sich angeschaut, die IT, die Wasserversorgung im Haus, die Toiletten und die Geräte in der kleinen hauseigenen Druckerei. 400 Fragen enthält die Checkliste der Energieagentur-Mitarbeiter, ein echter Rundumschlag. Viele Detailfragen konnten sie anschließend noch im Gespräch mit Hausmanager Rein und Hausmeister Liebherr klären, der das Gebäude aus jahrelanger Erfahrung bestens kennt.
All das Material nehmen die Berater nun mit in ihr Büro. Bis zum nächsten Termin werden sie daraus eine Liste von Vorschlägen erstellt haben und diese gemeinsam mit dem Energieteam besprechen. "Mir ist wichtig, dass wir dann auch konkrete Hinweise an die Hand bekommen, mit denen wir wirklich arbeiten können", sagt Rein zum Abschied. Da ist sich Energieberater Wimmer jetzt schon sicher – auch wenn das Ordinariat energetisch gar nicht so schlecht dastehe, bekomme das Team gut zu tun: "Wir werden genug greifbare Maßnahmen mitbringen, die auch ohne tiefer gehendes Ingenieurswissen umzusetzen sind."
*Seit dem 1. November 2019 ist Christine Zachmann aus ihrer Elternzeit zurück und übernimmt von ihrer Vertretung, Miriam Strake, wieder ihren alten Aufgabenbereich als Klimaschutzmanagerin.
Erzbischöfliches Ordinariat, Freiburg
Miriam Strake (Elternzeitvertretung der Klimaschutzmanagerin Christine Zachmann) und Hans-Peter Bär (Architekt des Referat Diözesanes Immobilien- und Baumanagement) bei der Begehung des Heizungskellers im Priesterseminar Collegium Borromaeum
erbaut von 1903 - 1906,
Anbauten in den 1970er und 1980er Jahren
Autor: Thomas Goebel





