Energiesparen geht immer - auch in alten Mauern

Bildungshaus St. Luzen in Hechingen

Die Umwelt schonen und Geld sparen: Das Bildungshaus St. Luzen in Hechingen führt ein Energiemanagement ein – dabei hilft ein externer Energieberater dem Dreier-Team im Haus.

Im Heizungskeller des Bildungshauses St. Luzen nehmen Metallrohre eine ganze Wand ein. Eines läuft neben dem anderen über die alte Grundmauer, alle tragen säuberlich beschriftete Schildchen. Die auf den roten Rohren zeigen an, wohin diese das warme Wasser schicken; blaue Rohre signalisieren, hier kommt abgekühltes Wasser zurück. Aber die Rohre sind nicht isoliert, man kann direkt das heiße Metall berühren. Das bedeutet, dass hier ständig Energie verloren geht.
 
Noch sind die roten und blauen Rohre ungedämmt!
Und es bedeutet viel Arbeit für Mario Zielke, den Hausmeister: Er wird in den nächsten Wochen die Rohre mit wärmedämmendem Material isolieren, auch wenn das wegen der vielen Befestigungsschrauben, Schildchen und Windungen Bastelei erfordert. Zielke ist Teil des Energieteams von St. Luzen, gemeinsam mit Sekretärin Silvia Beiter und Christina Bummer, die für die wirtschaftliche Leitung des Hauses verantwortlich ist. Zu dritt kümmern sie sich darum, ein Energiemanagement in dem Bildungs- und Gästehaus einzuführen. Drei Jahre werden sie von einem externen Energieberater unterstützt, die Kosten übernehmen das Land Baden-Württemberg und die Erzdiözese Freiburg.
Energie-Management – sich selber ein bisschen unter Zugzwang setzen
Das Bildungshaus St. Luzen liegt in Hechingen im Zollernalbkreis. Das Gebäude war einmal ein Franziskanerkloster, erbaut 1589. Vieles wurde seitdem verändert, doch die dicken Grundmauern stehen noch. Heute hat das Bildungshaus 24 Gästezimmer mit 47 Betten und fünf Seminarräume. Einzelpersonen übernachten hier ebenso wie Gruppen; die Räume werden auch für Feiern, Konferenzen oder Weiterbildungen genutzt.
 
Energetisch, sagt Leiterin Christina Bummer, sei das Gebäude schwierig. Die heutige Gestalt bekamen die meisten Räume 1987, damals wurde das Haus zunächst als Jugendbildungsstätte eingerichtet. Sehr einfach, wie Bummer sagt: Erst seit vier Jahren gibt es in 15 der 24 Zimmer Nasszellen, "mehr ging nicht ohne größere Umbauten". Die Gasheizung im Keller – mit den bisher nicht isolierten Verteilerrohren – liefert Warmwasser für Duschen, Heizkörper im ganzen Haus sowie die Fußbodenheizung, die irgendwann einmal in einigen Räumen eingebaut wurde.
 
Hausleiterin Bummer und Energieberater Gsellinger bei der Auswertung der vorab beim Vor- und Rücklauf gemessenen Heizkesseltemperaturen.
Ende 2017 nahm Bummer an einem Fachtag in Freiburg teil, bei dem es um die Vision einer klimaneutralen Diözese 2030 und die Förderung von Energiemanagement ging. Und sie traf sofort eine Entscheidung: "Ich habe noch vor Ort gesagt: Okay, wir machen mit." Die Schöpfung zu bewahren, sei ihr seit langem ein Anliegen, erzählt sie: "Ich habe drei Kinder, die wollen auch noch etwas von der Welt haben – wir haben eine moralische Verantwortung." Dabei langfristig noch Geld zu sparen, findet sie als wirtschaftliche Leitung auch nicht verkehrt.
 
Also stellte Bummer einen Förderantrag fürs Energiemanagement, als eine der ersten Einrichtungen in der Erzdiözese. Sie habe ihre Kolleginnen und Kollegen und sich selbst damit unter "moralischen Zugzwang" setzen wollen, sagt sie lächelnd: "Im Alltagsgeschäft schiebt man das Thema manchmal weg – das geht jetzt nicht mehr."
Bestandsaufnahme als erster Schritt
Im Herbst 2018 fand das erste Treffen mit dem Energieberater Stefan Gsellinger aus Trossingen statt. Jetzt, sechs Monate später, ist der Ingenieur zum dritten Mal ins Haus gekommen, er ist mit dem Energieteam durch die Räume gegangen und im Heizungskeller bei den blanken Rohren gelandet. Ziel des Energiemanagements sind "geringinvestive Maßnahmen" – also keine großen Umbauten oder Anschaffungen wie etwa eine neue Heizung. Vielmehr geht es um kleinere Veränderungen im Verhalten, in der Steuerung oder Technik, die jedoch in der Summe zu überraschend hohen Einsparungen führen können.
 
Gsellinger vereinbart mit Hausmeister Zielke neben der Isolierung der Rohre auch, dass er mit den Temperatureinstellungen der Heizung experimentiert. Den Verbrauch an Strom, Wasser und Gas liest Zielke schon seit einem halben Jahr monatlich ab und trägt die Zählerstände online in ein spezielles Programm ein. Eine Bestandsaufnahme in Sachen Energieverbrauch sei der wichtige erste Schritt des Projekts, sagt Gsellinger. Er regt an, zusätzliche Gas- und Wasserzähler einzubauen, um unterschiedliche Nutzungen besser erfassen und eventuell ändern zu können.
Nicht alles klappt beim ersten Versuch
Nach der Bestandsaufnahme der Leuchtmittel ist der nächste Schritt für Hausmeister Zielke der Austausch mit energiesparenden Alternativen.
Neben der Heizung sind Lampen ein Thema: Zielke hat für diesen Termin systematisch alle Leuchtmittel vom Keller bis zum Dachgeschoss in einer Liste erfasst – inklusive Watt-Zahl. "Das hat Stunden gedauert", sagt der Hausmeister. Gsellinger nimmt die Liste mit, er will sich bis zum nächsten Termin anschauen, wo es welche energiesparenden Alternativen gibt. Später kommt noch kurz die Küche dran, vielleicht lasse sich die Abwärme der Kühlzellen geschickter ableiten, überlegt der Energieberater.
 
"Alleine würden wir das alles nicht hinkriegen", sagt Bummer. Die regelmäßigen Termine seien wichtig, auch wenn mal etwas nicht klappt. So wie bei den Thermostaten: Oft blieben die Heizkörper nach Veranstaltungen das ganze Wochenende über heiß, hatte Silvia Beiter berichtet. Energieberater Gsellinger besorgte per Funk ansteuerbare Thermostatköpfe, mit denen sich die Heizkörper zu programmierten Zeiten an- und abschalten lassen – eigentlich. In den dicken Wänden von St. Luzen hatte das nicht funktioniert. Gsellinger hat nun ein technisch anderes Modell recherchiert und mitgebracht: "Wir sind noch lange nicht am Ende der Fahnenstange."
Bildungshaus St. Luzen, Hechingen
Das Energieteam von St. Luzen im Heizungskeller
(v.l.n.r.) Hausmeister Mario Zielke, Hausleiterin Christina Bummer und Sekretärin Silvia Beiter, mit Energieberater Stefan Gsellinger (2. v.l.).
 
Bildungshaus St. Luzen, Hechingen
erbaut als Franziskanerkloster (1589)
neue Nutzung als Jugendbildungshaus (1987)
24 Zimmer und 5 Seminarräume
 
Autor:  Thomas Goebel