Die Schleiereule – Lautlose Schönheit der Nacht

Mit ihrem herzförmigen, weißen Gesichtsschleier und den dunklen Augen ist die Schleiereule unverwechselbar. Ihr lautloser Flug und ihr präzises Gehör machen sie zu einer perfekten Jägerin der Nacht. Sie hat eine Flügelspannweite von einem Meter, doch wiegt kaum mehr als 300g.
 
Als Kulturfolgerin lebt sie in der Nähe des Menschen, doch ist sie scheu und bleibt oft unbemerkt. Tagsüber ruht sie versteckt, nachts gleitet sie lautlos durch die Dunkelheit. Als lichtscheueste heimische Eulenart meidet sie direkte Helligkeit. Besonders unbeleuchtete Kirchtürme, Scheunen oder Dachböden bieten für sie geschützte Brutplätze. Hoch oben, zwischen altem Gebälk oder hinter Schallluken, zieht sie ihren Nachwuchs groß.
 
Sie lebt vor allem an den Rändern von Siedlungen und jagt in offenen Wiesen und Feldern. Ihre Hauptbeute sind Kleinsäuger (v. a. Wühlmäuse), aber auch größere Nager (z. B. Ratten). Gelegentlich frisst sie kleine Vögel oder große Insekten. In schneereichen Wintern oder bei fehlender Nahrung gerät sie schnell in Not, da sie kaum Fettreserven anlegt.
 
Wer in einer Kirche plötzlich ein leises Fauchen oder Kreischen hört, könnte einem Schleiereulenpaar begegnet sein – denn trotz ihres anmutigen Aussehens klingen ihre Rufe oft gespenstisch.
 
Durch Intensivierung der Landwirtschaft, den Verschluss von Nistnischen und dem Verlust alter Gebäude gehen viele Brut- und Nahrungsstätten verloren. Die Schleiereule wählt ihre Brutplätze innerhalb menschlicher Siedlungen. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für uns, um diese in unmittelbarer Nähe des Menschen brütende, dennoch aber empfindliche Vogelart zu erhalten.