Wiedersehen macht Freude! Das gilt, wenn man alte Freunde wieder trifft, geplant oder ganz zufällig. Das ist auch genau das Motto, dem eine Gruppe in einer badischen Kleinstadt nördlich von Karlsruhe mit einer Idee Leben eingehaucht hat.
Schon im Oktober 2019 begann in der Kolpingfamilie in Weingarten die Diskussion darüber, wiederverwertbare Taschen zu gestalten. Natürlich aus recyceltem Material. Und schon bekam das Projekt einen weitgereisten Namen: Boomerang Bag. Der Boomerang ist ein traditioneller Wurfstock der australischen Aborigines. Rückkehrende Boomerangs wurden in Australien zur Jagd auf Vögel eingesetzt, die in Schwärmen fliegen.
Die Boomerang Bag Idee stammt aus Australien, weltweit wurden schon mehr als eine halbe Millionen Taschen hergestellt. Da die Taschen meist aus Baumwolle bestehen und der Baumwoll-Anbau viel Wasser benötigt, ist diese Form des Recyclings auch ein großer Beitrag zum Wasser sparen.
Weltweit und jetzt auch in Weingarten gibt es diese Taschen. Sie kennen die Situation: Sie stehen im Laden an der Kasse und haben keine Tasche dabei. Sie können nun eine Tüte kaufen, doch genau das ist nicht wirklich umweltfreundlich. Hier kommen die Boomerang Bags ins Spiel. Aus Stoffresten werden bunte Einkaufstaschen genäht, die in Geschäften ausliegen und von deren Kundschaft kostenlos genutzt werden können. Bunt, selbst genäht und umweltfreundlich, das sind Boomerang Bags. "Boomerang" deshalb, weil sie nach Nutzung wieder im Laden abgegeben werden sollen. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und Einwegtüten - egal ob aus Plastik oder Papier - zu vermeiden. Ausrangierte Baumwollstoffe werden so vor der Mülltonne bewahrt und erhalten ein neues Leben. In Weingarten zu finden sind die Boomerang Bags in acht Geschäften.
Wie ging das alles vonstatten? Im Winter 2019/2020 wurden ausrangierte Stoffe gesammelt. Während eines ersten Nähtreffen saßen Menschen zwischen 12 und 90 Jahren an den Nähmaschinen und Bügeleisen, und schufen erste Mustertaschen. Nach einer Coronapause wurde die Idee im Frühjahr 2024 wieder reanimiert, dann ging es im Sauseschritt zur Sache: Stoffe sammeln, zuschneiden, Aufkleber draufnähen, Flyer und Werbung gestalten und Kisten mit den fertigen Taschen bei den Einzelhändlern deponieren. 250 Taschen wurden bis zum Herbst fabriziert, die Kolpingfamilie fiebert jetzt hin auf die eintausendste Tasche.
Großes Durchhaltevermögen und Konsequenz zeichnet dieses Projekt aus. Hier wird das gemeinschaftliche Arbeiten gefördert, das soziale Miteinander. Es wird recycelt, es werden Ressourcen eingespart, es wird so ganz beiläufig zum Nachdenken über Nachhaltigkeit angeregt. Das Ganze passt wunderbar und stimmig ins Gesamtkonzept der Kolpingsfamilie Weingarten, die Teil der Initiative fair.nah.logisch. ist.
Preisgeld: 2500 Euro